Hilfe bei ungewollten Werbetelefonaten und Meinungsumfragen

Sie kennen das Szenario: Das Telefon klingelt eines Tages und mit Ihnen spricht der Mitarbeiter eines Call Centers, der Ihnen gerne ein Angebot machen möchte. Die Anrufer sind in der Regel auf alle Ihre Antworten vorbereitet, psychologisch geschult und arbeiten gezielt darauf hin, dass Sie sich das Produkt kostenlos oder zu einem Lockangebot zukommen lassen. Ziel des Anrufenden ist es, Ihnen auf jeden Fall eine Zusage von Interesse zu entlocken, denn er wird nach erfolgreichen Kontakten bezahlt.

Die Tricks sind mitunter perfide, teils psychologisch durchdacht und auch auffällig. Doch wie werden Sie einen solchen Anrufer los? Wie erreichen Sie die Löschung Ihrer Daten aus den Anruflisten des Call Centers? Wir zeigen Ihnen, wie Sie zumindest die seriösen Anbieter davon überzeugen können und den unseriösen Anbietern die Anrufe erschweren, in der Hoffnung, dass diese Sie irgendwann in Ruhe lassen.

Hinterfragen Sie den Anrufer

Sobald Sie merken, dass Sie in ein Verkaufsgespräch verwickelt werden sollen, hinterfragen Sie die Anrufabsicht. Fragen Sie gezielt nach dem Unternehmen, in wessen Namen das Gespräch stattfindet, nach dem Namen des Call Centers und nach dem Namen des Anrufers. Unseriöse Anbieter werden an dieser Stelle schon kapitulieren und das Gespräch beenden. Sollten Sie gefragt werden, wofür Sie diese Angaben benötigen, geben Sie an, dass Sie eine Unterlassungserklärung für den Anwalt vorbereiten und diese Daten noch fehlen.

Vorsicht bei Anrufen zur Marktforschung

Meinungsforschungen per Telefon sind in Deutschland von offiziellen Instituten zugelassen und sind auch in einigen Produktbereichen sinnvoll. Diese Fakten machen sich auch unseriöse Anbieter zu Nutzen und verwickeln Sie in ein vermeintliches Gespräch über Ihre Gewohnheiten, Hobbies oder Interessen. Einige Fragen zielen doch darauf ab, ein Profil von Ihnen zu erstellen - Fragen wie z.B. "Haben Sie Haustiere?", "Wie viele Personen leben in Ihrem Haushalt?", "Interessieren Sie sich für Technik?", "Haben Sie geregelte Arbeitszeiten?", "Fahren Sie gerne in Urlaub, falls ja, wie oft?" sollten Sie nicht beantworten. Der Anrufer kann dadurch ersehen, wann Ihr Haus leersteht und sich ein Einbruch lohnt.

Gesprächsaufzeichnung ankündigen

Kündigen Sie zu Beginn eines Telefonats eine elektronische Aufzeichnung an. Seriöse Callcenter arbeiten selbst oft mit "Aufzeichnungen zu Ihrer und unserer Sicherheit und Qualitätsüberprüfung" und haben bestimmt nichts gegen einen Mitschnitt. Dubiose Anbieter werden Sie mit dieser Ankündigung aus dem Konzept bringen. Ob und in welcher Form Sie einen Mitschnitt anfertigen ist in diesem Fall egal, nur müssen Sie diesen vorab ankündigen und auch diese Ankündigung aufnehmen, damit er rechtskräftig wirksam wird.

Gespräch protokollieren

Fertigen Sie während des Gespräches eine Art Protokoll an und fragen Sie den Anrufer direkt nach dessen Namen, Firma und Sitz, sowie nach einer Telefonnummer für Rückfragen und den Namen des Vorgesetzten. Somit ist dem Anrufer vorab der Wind aus den Segeln genommen worden. Begründen Sie Ihre Anfrage damit, dass Sie gerne mehr über den Gesprächspartner wissen möchten, bevor Sie Ihre Zeit am Telefon verbringen.

Namen wiederholen

Viele Callcenter-Mitarbeiter sind darauf geschult, Sie in jedem Satz mit Namen anzusprechen. Drehen Sie den Spieß einfach um und stellen Sie zu jeder Frage eine Gegenfrage mit dem Namen des Agenten. Dieser wird dadurch von seinem Telefonprotokoll abgelenkt und kommt aus dem Konzept.

Interesse heucheln - aber nichts verraten

Callcenter-Agenten haben oft ein genaues Protokoll, an das sie sich beim Verkaufsgespräch halten müssen. Oft werden Gespräche aufgezeichnet, um zum Beispiel Einwilligungen des Angerufenen rechtssicher festzuhalten oder um ihn damit später unter Druck zu setzen. Auch sind Fälle bekannt, in denen Gespräche so zurecht geschnitten wurden, dass aus der Aufnahme eine deutliche Zusage zum Kauf des angebotenen Produktes ersichtlich war, obwohl dies nie vereinbart wurde. Seien Sie also mit dem Wort "Ja" vorsichtig.

Sind Sie nun in ein solches Protokoll-Gespräch geraten, wird der Anrufer Sie auffordern, am Ende seiner Sätze mit "Ja" zu antworten. Lassen Sie den Anrufer ausreden und geben dann eine nicht zu verwertende Aussage, etwa "blau" oder antworten Sie mit Rückfragen wie "Wozu brauchen Sie dies Information noch gleich?".

Warteschleife vortäuschen

Haben Sie eine "Gespräch-Halten"-Funktion an Ihrem Telefon oder sitzen Sie beim Telefonieren vor dem PC? Dann lassen Sie den Anrufer doch ein wenig in Ihrer Warteschleife hängen oder spielen ihm eine Warteschleifenmelodie vor. Youtube hat hier einige nette Videos im Angebot.

Ungewollte Anrufer umleiten oder sperren

Callcenter rufen oft mit unterdrückter Rufnummer an. Dies ist in Deutschland verboten, doch viele Anbieter umgehen das Problem durch Anrufe aus dem Ausland. Moderne Telefonanlagen besitzen die Möglichkeit, anonyme Rufnummern abzuweisen, auf eine andere MSN umzuleiten oder z.B. direkt auf den Anrufbeantworter umzulenken. Eine Anleitung zur Konfiguration der Fritz!Box aus dem Hause AVM finden Sie hier.

Alternativ können Sie auch einen VOIP-Filter einrichten. Weitere Informationen zur Einrichtung finden Sie hier: https://www1.pbxes.com/index_e.php

Meldung an die Bundesnetzagentur

Wurden Sie mit einem unaufgeforderten Werbeanruf belästigt, können Sie sich, bei einem deutschen Teilnehmer, an die Bundesnetzagentur wenden. Dem Callcenterbetreiber drohen dann empfindliche Geldstrafen bis zu 50.000 € für sein Vergehen.

Das offizielle Formblatt mit allen benötigten Angaben finden Sie hier. Im Idealfall überprüft die BNA den Vorgang und leitet rechtliche Schritte gegen die Betreiber ein.

Auch ist ein kurzer Blick auf spezielle Webseiten gegen ungewollte Anrufe, wie z.B. http://www.anruf-info.de vor Gesprächsannahme sinnvoll. So können Sie direkt abschätzen, ob sich die Annahme des Telefonats lohnt oder wie Sie dem Anrufer entgegentreten können.